Wenn der Kopf voll ist und man trotzdem etwas tun will
- Stefan Schrägstrich

- 5. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt diese merkwürdigen Tage. Der Kopf ist voll von Gesprächen, Entscheidungen, offenen Schleifen. Eigentlich bräuchtest du weniger. Gleichzeitig hältst du Leerlauf kaum aus. Weder Sport noch ein anspruchsvolles Hobby fühlen sich passend an, und einfach auf dem Sofa sitzen macht es auch nicht besser.
Genau in diesem Zwischenzustand, um den es mir in dieser Woche geht, wirkt etwas erstaunlich Bodenständiges oft am besten: Ausmalen.
Was diesen Zustand so zäh macht, ist die Spannung zwischen Erschöpfung und innerer Unruhe. Der Kopf signalisiert Stopp, der Rest von dir will trotzdem irgendetwas tun. Lesen verlangt Fokus, Serien lassen dich zwar berieseln, aber das fahrige Gefühl bleibt häufig im Körper. Man sucht keine Leistung. Man sucht eine kleine Tätigkeit, die die Hände beschäftigt und den Kopf nicht weiter füttert.
Ausmalen ist unspektakulär, und genau das ist seine Stärke. Du brauchst nichts außer Papier und Stiften. Keine Planung, kein Ziel, kein Anspruch. Da ist eine Fläche, da ist eine Farbe, und du fängst irgendwo an. Der nächste Strich genügt. Mehr muss in dem Moment nicht passieren.
Ich beobachte immer wieder, dass der Kopf nicht sofort still wird, aber anders arbeitet. Die Gedanken ziehen weiter, nur ohne dieselbe Wucht. Weil ein Teil deiner Aufmerksamkeit bei etwas Greifbarem liegt. Du entscheidest, ob das schiefe Tier blaue Ohren bekommt oder der absurde Pilz grüne Punkte. Kleine, harmlose Entscheidungen. Nach einem Tag voller wichtiger Entscheidungen tut das spürbar gut.
Dazu kommt etwas sehr Banales und gleichzeitig Wertvolles: Papier hat Widerstand. Ein Stift bewegt sich echt durch die Hand. In einer Welt aus Tippen, Wischen und Wegklicken ist diese analoge Einfachheit überraschend erdend.
Du musst dafür nicht kreativ in Hochform sein. Die Struktur ist schon da, das Motiv wartet einfach. Gerade deshalb gestalte ich meine Bücher mit skurrilen, humorvollen Szenen. Wenn der Kopf ohnehin ernst genug ist, kann ein schief grinsender Vogel oder ein Wesen mit viel zu großen Stiefeln den Blick ein kleines Stück verschieben. Nicht weil plötzlich alles leicht wird, sondern weil ein Fenster aufgeht.
Und wenn selbst das Anfangen schwerfällt, dann mach es absurd klein. Drei Minuten. Eine Ecke. Eine einzige Farbe. Manchmal entsteht daraus mehr. Manchmal auch nicht. Beides ist in Ordnung. Ausmalen ist kein neues Muss und keine Disziplinübung. Es ist eine Einladung zu einer kleinen Pause für den Kopf.
Viele suchen nach großen Auszeiten. Ich halte viel von kleinen, realen Unterbrechungen im Alltag. Zehn oder zwanzig Minuten, in denen du etwas tust, ohne dich weiter auszupowern. Etwas mit den Händen. Etwas auf Papier. Nichts Spektakuläres, aber zuverlässig.
Und manchmal merkst du erst mittendrin, dass die Schultern etwas tiefer hängen und der Kopf nicht mehr ganz so voll wirkt wie vorher. Nicht weil alles gelöst ist. Sondern weil du dir einen einfachen, analogen Zwischenraum erlaubt hast.
Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, dann höre gerne in meinen Podcast "Kopfpause mit Schrägstrich" rein. Du findest ihn bei den bekannten Podcast-Streaming-Diensten.
Hinweis: Der folgende Text wurde mit Hilfe von KI-Werkzeugen erstellt.
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